Es war schon seit Wochen zu warm für die Jacke. Und schließlich wusste sie doch ziemlich genau, dass ihre Mutter mit Argusaugen über solche Dinge wachte. hätten der Schreck und der sofortige Gedanke an die potentiellen Konsequenzen ihre gespielte Verlegenheit nicht so glaubwürdig gemacht, wäre sie für die nächsten Wochen in ihr Zimmer gesperrt oder gleich auf ein möglichst katholisches mädcheninternat irgendwo auf einem, nur per Hubschrauber erreichbaren, Berg geschickt worden.
Wie hatte sie so dumm sein können? Zanella, im Geiste nannte sie ihre Mutter immer so, war nur um Haaresbreite keine fundamentalistische Puritanerin. Ihrer eigenen Aussage nach war es Nadias Vater gewesen, der sie hatte erfahren lassen, wie schlimm männer wirklich waren.
Aber irgendwie konnte die junge Frau das nicht ganz glauben. Da war dieser sorgsam versteckte Glanz in Zanellas Augen, wann immer sie vom Vater ihrer einzigen Tochter sprach. Sie mochte ihn verachten, ihn sogar hassen, aber er nahm noch immer einen wichtigen Platz irgendwo im tiefsten Inneren seiner Witwe ein.
Wie gerne hätte Nadia ihn kennengelernt. Welche Erfahrungen ihre Mutter aber auch immer gemacht haben mochte, sie hatten dafür gesorgt, dass sie aus ihrer Tochter eine vorbildliche, junge Dame machen wollte.
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Und Nadia spielte dieses Spiel mit. Jedenfalls immer dann, wenn ihre Mutter in der nähe war. Sie hatte schnell begriffen, dass es ernsthafte Konsequenzen für ihre Bewegungsfreiheit hatte, wenn sie nicht spurte.Und damit ging ihr die möglichkeit verloren, den anstrengenden Regeln ihres Zuhauses zu entfliehen. Also machte sie gute Miene zum bösen Spiel und fragte sich, ob sie das schauspielerische Talent hierfür von ihrem Vater geerbt haben mochte.
Eine möglichkeit, die wiederum zumindest einen Teil des Unmutes ihrer Mutter mit dem Verstorbenen erklären konnte. Wenn er es auch nur halb so bunt getrieben hatte, wie seine Tochter das außer Haus tat, wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn Zanella ihn persönlich erschlagen hätte, nachdem sie ihm auf die Schliche gekommen war.
Logisch betrachtet hätte diese Überlegung Nadia eigentlich zu etwas mehr Vorsicht anhalten müssen. Doch aus irgendeinem Grund konnte sie keine Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen, Unfug zu machen oder zu provozieren.
Es war fast zwanghaft. Aber es machte auch so viel Spaß. Als sie in der Schule ankam, war es beinahe zehn Minuten nach Unterrichtsbeginn. Außer dem Hausmeister, einem finster dreinblickenden Kerl, der für junge Menschen ungefähr so viel Sympathie zu empfinden schien, wie ein Serienkiller für seine Opfer, war niemand mehr unterwegs auf den gängen.
Nadia beeilte sich zu ihrem Klassenzimmer zu gelangen und ignorierte dabei den Mann, der gerade dabei war eine Lampe zu reparieren. Selbst als er ein abschätziges Schnalzen ertönen ließ, gerade als sie die Leiter passierte, auf der er stand.
Mit einer erfahrungsgemäß ausreichenden Mischung aus Zerknirschtheit und Leidensmiene trat sie ein, ohne anzuklopfen. Ihre Klassenlehrerin und ihre Mitschüler blickten auf und Nadia musste an sich halten, um nicht zu grinsen.
Natürlich kannte sie ihre Wirkung auf die jungen männer sehr genau. Aber trotzdem genoss sie diese Musterungen immer wieder. Es entging nicht einmal dem gelangweiltesten Schüler, wie sie heute ihre Bluse trug.
Und die sichtbare Reaktion der jungen männer schwankte zwischen aufmerksamem Starren und gierigem Sabbern. Die Reaktion der weiblichen Fraktion fiel natürlich genau gegenteilig aus. Hass, Abscheu und der schlecht verborgene Neid ließen ihnen fast die Augen aus den höhlen treten.
Bei Misses Worins, der Lehrerin, überwog hingegen die Empörung. Die einzige Person, die wie immer anders reagierte, als alle anderen, war ihre Mitschülerin Marie. Bevor Nadia auf diese Schule gewechselt hatte, war Marie unangefochten das unanständigste mädchen der Lehranstalt gewesen.
Alle Jungs hatten sich nach ihr umgedreht und zur Belohnung immer wieder etwas mehr zu sehen bekommen, als sich gehörte. Nadia wusste das genau, denn sie handhabte es ebenso.
Marie stand in dem Ruf, bereits mit jedem geschlechtsreifen Schüler und allen Lehrern unterhalb des Greisenalters geschlafen zu haben. Und wenn sie Nadia tatsächlich so stark ähnelte, wie es den Anschein machte, dann war dieser Ruf nur deswegen übertrieben, weil der Tag nicht genug Stunden für so viel Sex hatte, wenn die Frau auch etwas davon haben wollte.
Doch die Stellung als erstrangige männerphantasie machte die Neue der alteingesessenen Dunkelhaarigen nun streitig. Marie hatte nämlich einen entscheidenden Nachteil im Ringen um die Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu Nadias auffälliger Oberweite war sie vergleichsweise flach gebaut.
Auch wenn sie vermeintlich noch niemals mit einem bh gesichtet worden war, konnte Nadia die Aufmerksamkeit selbst mit einem solchen Accessoire noch leicht auf sich lenken. Und zusätzlich dazu war sie auch noch hellblond und dadurch noch ein wenig auffälliger.
All das hatte bislang allerdings nicht zur Folge gehabt, dass die beiden sich ernsthaft angegiftet hätten. Maries Verhalten war überraschend wenig feindselig, wenn sie sich auch meistens eine gewisse Abfälligkeit nicht verkneifen konnte, wann immer Nadia etwas fand, womit sie auftrumpfen konnte.
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Bereits nach wenigen Tagen hatte sich zwischen den Beiden eine gewisse Rivalität entwickelt, die in stillen Momenten beinahe freundschaftliche züge zeigte. Was sie selbstverständlich nicht davon abhielt zu versuchen, sich gegenseitig auszustechen.Bei einer einheitlichen Schuluniform waren die möglichkeiten eines Wettstreits in Freizügigkeit allerdings begrenzt. Und deswegen hatte dieser Wettstreit schnell einen toten Punkt erreicht. Keine Unterwäsche, durchscheinendere Blusen und eigenwillige Methoden beim Tragen letztgenannter Kleidungsstücke ließen nur noch wenige möglichkeiten für eine weitere Aufrüstung offen.
Den Statuten der Schule nach gab es keine expliziten Regeln dafür, wie die Bluse getragen werden musste. Nur die länge des Kleidungsstückes selbst war festgelegt. Andererseits wurde bestimmt, dass der Rock bis über die Knie reichen musste.
Daher hätte jede weitere Verschärfung des Offenherzigkeits-Wettkampfes einen Verstoß gegen die Schulregeln dargestellt und entsprechende Konsequenzen gehabt. Keine der Beiden schien bereit, diesen Schritt zu tun und so trugen sie mittlerweile meistens eine Art Partnerlook.
An diesem Morgen hatte Nadia jedoch einen Vorteil. Die Geschehnisse auf dem Schulweg hatten noch nicht abgeklungene Spuren hinterlassen. Und diese Spuren pressten sich deutlich gegen den Stoff, der sich über ihre Brust spannte.
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- Marie hatte aufgrund ihrer kleineren Oberweite ohnehin wenig Chancen, den oberen Teil der Bluse gut auszufüllen. Ihre Brustwarzen zeichneten sich daher niemals so deutlich ab, wie es gerade die von Nadia taten.
- Die Blondine blickte einmal in die Runde und zögerte lange genug, damit alle männer Zeit hatten, ihren gegenwärtigen Zustand zu realisieren. Erst dann wandte sie sich an Misses Worins.
- "Entschuldigung", säusele sie zuckersüß, "Ich habe verschlafen". Die ältere Dame glaubte ihr erkennbar nicht ein Wort, doch sie hatte auch noch mit ihrer Empörung zu kämpfen und bedeutete Nadia daher nur mit einer Geste, sich zu setzen.
- Etwas in ihrem Blick signalisierte der jungen Frau, dass dieser Auftritt möglicherweise Konsequenzen haben mochte. Zumindest in Bezug auf ihre Klassenlehrerin hatte sie wohl gerade den Bogen überspannt. Allerdings war ein Gespräch mit dem Direktor bereits lange überfällig und sie hatte schon eine recht genaue Vorstellung davon, wie es ablaufen würde.
- Ohne sich einschüchtern zu lassen, aber auch ohne sich weiter zu produzieren, ging Nadia auf ihren Platz zu. Um sie herum flüsterten ihre Mitschülerinnen kaum überhörbar. Sie wollten natürlich, dass ihre Beleidigungen gehört wurden.
Als sie sich gesetzt hatte und anfing ihre Unterlagen hervor zu kramen, versuchte Misses Worins die Aufmerksamkeit der Schüler wieder auf den Unterrichtsstoff zu lenken. In ihren Ermahnungen, zu Shakespeare zurückzukehren, ging ein einzelnes Wort vollkommen unter.
Nur Nadia nahm es wirklich deutlich war, weil es direkt in ihrem rücken in ihre Richtung geflüstert wurde. Von Marie, die sich so weit vorgebeugt hatte, wie es bequem möglich war: "Bitch".
Das Gespräch mit dem Schulleiter nahte schneller, als Nadia es erwartet hatte. In der ersten Pause war ihr eigentliches Ziel der Bereich, in dem ihre Altersgenossen heimlich rauchten. Sie selbst frönte diesem Laster nur gelegentlich, doch heute war ihr danach und sie würde ganz gewiss eine Zigarette ausgegeben bekommen.
Während sie durch die gänge lief, waren ihr die Blicke auf ihrem Busen durchaus bewusst. Und sie genoss sowohl die gierige Bewunderung der jüngeren Schüler als auch den Neid und die Empörung der Schülerinnen.
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Als sie jedoch auf den Schulhof hinaus treten wollte, wurde sie von Misses Worins angesprochen. "Entschuldigen sie, Miss Jennings". "Ja?". "Bitte folgen sie mir zum Direktor", verkündete die Lehrerin mit einem fast triumphierenden Glanz in den Augen."Aber selbstverständlich". Die Selbstsicherheit mit der Nadia sich fügte, ohne auch nur nach dem Grund zu fragen, schien die ältere Dame etwas zu verunsichern. Sie suchte ganz offensichtlich nach einem Anzeichen für Besorgnis oder zumindest Schuldbewusstsein, doch Nadia erwiderte ihren Blick nur freundlich lächelnd.
Irritiert wandte die Lehrerin sich ab und führte ihre Schülerin zum büro des Schulleiters. Dort klopfte sie an und öffnete dann unaufgefordert die tür. Offenbar war dieser Termin kurzfristig anberaumt worden und der Direktor wartete bereits.
"Danke Misses Worins", ertönte seine Stimme als Nadia eintrat. Mister Purrow saß hinter seinem Schreibtisch und wartete, bis seine Kollegin die tür von außen geschlossen hatte. Nadia hatte bislang nur einmal persönlich mit ihm gesprochen.
An ihrem ersten Tag, als er sie auf der Schule willkommen geheißen hatte. Diese eine Begegnung hatte ihr jedoch bereits genug verraten, um den Mann einschätzen zu können. Albert Purrow war wohl Lehrer mit Leib und Seele.
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Der einzige andere Beruf, in dem man ihn sich hätte vorstellen können, wäre Buchhalter gewesen. Er hatte exakt das Aussehen, das man mit einem solchen assoziierte. Im Gegensatz zu ihrer ersten Begegnung hielt er diesmal seinen Blick unter Kontrolle.
Lediglich aus den Augenwinkeln schielte er ihr auf die Brust. Aber seine straffe Haltung war nur eine Fassade. Das spürte die junge Frau deutlich. Mit einer Geste bedeutete er ihr Platz zu nehmen und Nadia folgte der Aufforderung.
Allerdings setzte sie sich nur auf die Kante des Stuhles. Sie nahm exakt die Haltung an, die ihre Mutter ihr beigebracht hatte. Die Beine zusammengepresst und seitlich abgewandt. Den rücken und das Kinn gerade.
Nur die Brust streckte sie etwas weiter heraus, als streng genommen schicklich gewesen wäre. "Es hat gewisse Beschwerden bezüglich ihres Verhaltens gegeben", eröffnete Mister Purrow das Gespräch vorsichtig. "Und bezüglich des Zustandes ihrer Schuluniform".
Nadia bemerkte den Blick, den ihr Gegenüber an ihrem Oberkörper hin abgleiten ließ. Was als Hinweis von ihm gedacht gewesen sein mochte, war in Wahrheit eine willkommene Gelegenheit, ungestraft auf ihre Brust und ihren nackten Bauch starren zu können.
Sie erwiderte nichts, blickte den Schulleiter jedoch sehr aufmerksam an. Sie musste sich nicht einmal konzentrieren, um zumindest vom Scheitel bis zum Hals ein Bild folgsamer Unschuld zu präsentieren.
Die Natur hatte sie mit diesem Gesichtsausdruck gänzlich unaufgefordert ausgestattet. Ihren Oberkörper drehte sie dabei allerdings noch ein wenig, sodass der Mann auf der anderen Seite des Schreibtisches etwas mehr von ihrem Profil zu sehen bekam.
Er sollte ja schließlich einschätzen können, was er hier zu kritisieren gedachte. "Einige Mitglieder des Lehrkörpers haben bemerkt, dass ihre Schuluniform nicht in vorgesehener Weise getragen wird", fuhr er ganz leicht stockend fort, als sie nichts erwiderte.
"Und auch unter den Schülern gibt es. Gerede". "So?".
