"Bitte mich doch noch mal so wie vorhin dich zu ficken und du wirst zwischen deinen Schenkeln merken, wie scharf ich dich finde". Ein abwesendes lächeln legte sich auf ihre Lippen und ohne sich dessen bewusst zu werden, antwortete sie nur.
"Gut". Da ihr nun keine weiteren Fragen mehr einfielen, ließ sie ihr Gesicht wieder an seinen Hals sinken. Dort war der angenehme Geruch nach ihm am leichtesten erreichbar und zufrieden seufzend kuschelte sie sich an ihn.
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Sie ließ sich im Arm halten, während in den hintersten Winkeln ihres Geistes nun nicht mehr nur der Anstand sich fragte, wer hier neuerdings die Kontrolle übernahm, sondern mittlerweile auch die Intelligenz.Alida selbst war hingegen hochzufrieden damit das warme, wohlige Gefühl zu genießen und sich zugleich über die flatterhaften Schmetterlinge in ihrem Bauch zu freuen. Sie wollte nicht darüber nachdenken, was jetzt in sie gefahren war.
Sie wusste es ja bereits. Erst nach einer ganzen Weile des stillen Genießens registrierte sie, dass Marco sich offenbar verabschiedet hatte. Michael hingegen schien es zufrieden sie im Arm zu halten, doch langsam würde die Sitzposition für Alida unbequem.
"Michael?". "Ja?". "Wenn ich aufstehe, dich deinen ", sie zögerte nur kurz, "deinen Schwanz wieder einpacken lasse und uns was zu trinken hole, bist du dann noch da, wenn ich wiederkomme?".
"Ich werde nicht weglaufen". Obwohl er es ohne vorwurfsvolle Betonung sagte, zuckte Alida leicht schuldbewusst zusammen. Nachdem sie aufgestanden war und sich ein paar Schritte entfernt hatte, drehte sie sich noch einmal um.
Er war gerade dabei, sein Glied wieder in der Hose zu verstauen. "Es tut mir leid". "Was tut dir leid?". "Dass ich weggelaufen bin. Damals " Schnell drehte sie sich wieder um, denn der Gedanke, ihnen beiden ein ganzes Jahr der Qual aufgebürdet zu haben, nur weil sie zu feige war, ein kleines Risiko einzugehen, kam ihr angesichts der überwältigenden Gefühle in ihrem Kopf nun ganz besonders schlimm vor.
Schnell machte sie sich auf zum Tresen. Jemand tippte Alida auf den Arm. Als sie den Kopf wandte, erkannte sie Verena. Sprachlos klappte ihr Mund auf. "Ja ich war die ganze Zeit hier", beantwortete ihre einst beste Freundin die erste Frage, die Alida durch den Kopf schoss.
"Und ja, ich habe alles gesehen". Alida konnte nicht verhindern, dass sie rot anlief. "Mach dir nichts draus. Nichts dran, was ich nicht schon gesehen hätte", beschwichtigte Verena lächelnd.
Alidas Stirn runzelte sich und eine Welle des Zorns begleitete einen schmerzhaften Stich in ihrem Herz. Ihr Kopf ruckte zu Bruno, zu Michael, herum und fixierte seinen Schritt. Verena fing an zu lachen und konnte atemlos nur eine Hand auf Alidas Schulter legen, welche diese wütend abzuschütteln versuchte.
"Nein, Anni ", beruhigte sie ihre Freundin nach Atem ringend. "Nicht dieses alles. Keine Sorge". Alida konnte nicht anders als misstrauisch von Michaels Gesicht zu Verenas Grinsen hin und her zu blicken.
Aber Michael hatte nur Augen für sie, als er ihren Blick bemerkte. Und darin lag kein Betrug, keine täuschung, nur erstaunte Zuneigung. Langsam beruhigte sie sich wieder. "Es gibt da noch was zu erledigen, Anni", lenkte Verena ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich.
Sie deutete auf ein kleines Netbook in ihrer Hand. Dort war ein Mailaccount zu sehen. Alidas Mailaccount. Mehrere Mail-Entwürfe waren geöffnet und wurden gestaffelt angezeigt. Verena blätterte geschickt durch sie hindurch, ohne der tätigkeit einen Blick zu schenken.
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Alida erstarrte. Die erste Mail war diejenige, mit deren Bild sie hierher gelockt worden war. Sie hatte eine unglaublich lange Empfängerliste an deren Spitze ihr Verlobter, ihre Eltern und ihre Freundinnen standen.Die zweite Mail enthielt auch ein Bild, aber ein Bild von ihr, wie sie mit verdrehten Augen auf dem Schoss von Michael saß. Was dort genau geschah, war nicht zu sehen, doch ihr hingebungsvoller Gesichtsausdruck sprach bände.
Eine Dritte enthielt nichts weiter als einen textlichen Hinweis darauf, dass Alida ihre Verlobung löste, weil sie, wenn überhaupt, nur einen heiraten würde: ihre große Liebe. Nicht den Wunschkandidaten ihrer Eltern und Schulfreund, sondern einen Typen, der sie beim Sex vor Geilheit auslaufen und schreien ließ und ihre Fantasien nicht abartig, sondern unglaublich schön fände.
Sie war an einen familiäreren Empfängerkreis adressiert. Es gab allerdings auch eine Mail, die ihren Eltern und Freunden erklärte, sie habe sich in der vergangenen Woche sehr schlecht gefühlt und geglaubt sogar schwanger zu sein.
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- Das habe ich als falscher Alarm herausgestellt, aber sie habe dennoch etwas Zeit für sich gebraucht und alles sei nun wieder in Ordnung. Ruckartig entriss Alida Verena das Netbook und ging damit hinüber zu Michael.
- Der Mann, der sich als Besitzer der Disko vorgestellt hatte, zog sich zurück, als er Alida mit entschlossenem Gesichtsausdruck kommen sah. "War das deine Idee?". Sie hielt Michael das Netbook vors Gesicht.
- "Auch", gab er unumwunden zu und blickte ihr in die Augen. "Unsere. Ich bin unsicher, was du tust, wenn man dir einen Ausweg offen lässt. Und ich fürchte ich möchte dich nicht noch einmal verlieren".
Sie schnaubte unwillig. "Beantworte meine Frage nicht mit einer Gegenfrage". Michaels Selbstsicherheit wich einer großen Ungewissheit. Plötzlich wirkte er nicht mehr so überwältigend stark. Es klang beinahe ein wenig kläglich, als er sagte: "Also gut dann: nein. Ich will dein Leben nicht zerstören und ich werde dich auch nicht mehr belästigen, wenn du es zurück willst".
"Aber?". "Aber was?". "Es klingt nach einem, aber, Gibt es eins?". Es war nun Alida, die den Ton angab und unerschütterlich wirkte. Ihr mahnender Blick wirkte scheinbar niederschmetternd auf Michael.
"Aber ich. liebe dich ", versetzte er leise und mit gesenktem Blick. Er konnte offenbar nicht fassen, dass alles umsonst gewesen sein sollte. "Du hast mich fast nackt durch die Stadt in diesen Schuppen gezwungen. Mich erniedrigt und veranlasst, dem ganzen Laden eine Peepshow zu bieten. Du hast mich vorgeführt und mich dann vor den Augen einer Meute wildfremder männer zum Sex gezwungen. Und jetzt kannst du mir nicht mal in die Augen sehen bei deinem jämmerlichen Geständnis?".
Sein Kopf ruckte hoch. "Gezwungen? hör mal. Du wolltest doch". "Motz mich nicht für deine Fehlinterpretationen an! Kannst du mir wenigstens zum Abschluss noch in die Augen sehen und mir diese jämmerliche Entschuldigung für deine Handlungen ins Gesicht sagen?".
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Michaels Gesichtsausdruck verhärtete sich. "Also gut" Kurz senkte er noch einmal seinen Blick und dann sah er ihr direkt in die Augen. Schmerz, Trauer und Unverständnis lagen darin, aber ebenso eine letzte, absolut offene Ehrlichkeit."Ich liebe dich, Alida". Es kostete ihn sichtlich mühe zu vermeiden, dass bei diesen Worten, die ihm wie Abschiedsworte erschienen, kein Tränenschimmer aufstieg. Und letztlich versagten seine Anstrengungen und er senkte wieder den Blick.
"Dann sieh jetzt genau hin. Damit du weißt, was ich wirklich von dir halte". Alida drehte das Netbook, nachdem sie einige Klicks gemacht und ihre Finger auf eine bestimmte Position gelegt hatte.
Auf dem Schirm waren noch immer einige Mails zu sehen. Mit einem Druck auf eine Taste bestätigte Anni, dass sie alle gesendet werden sollten. Ungläubiges Staunen breitete sich auch Michaels Gesicht aus.
"Aber?", stammelte er perplex. "Das waren die Mails mit den Bildern und an deine Familie". "Ja", antwortete Alida und musste ihrerseits den Kopf senken. Sie schluckte und ein Kloß bildete sich in ihrem Hals.
Alle Selbstsicherheit war wieder wie weggefegt. "Ich musste wissen, ob du es wirklich ernst meinst. Bereit bist, es vor allen Leuten zu sagen. Denn jetzt bin ich eine billige Schlampe und habe nur noch dich".
Michael sprang auf und schloss Alida stürmisch in die Arme. Erst ganz kurz vor ihrem Mund stoppte er und sagte ergriffen, aber sehr ernsthaft: "Der erste, der dich‚ billig, nennt, braucht eine Zahn-op".
Alida schloss die Augen und erinnerte sich an eine weitere Passage aus einer seiner Mails. An eine Fantasie von ihrem ersten Treffen, ihrem ersten Kuss. Und wie in der Fantasie ließ sie nun nicht ihn den letzten Schritt machen, sondern beugte sich ihrerseits vor.
Ihre Lippen fanden sich, und während sie in einem neuen und von eingestandenen Gefühlen getragenen Kuss versanken, der seinen Mangel an Wildheit durch tiefe Leidenschaft und zärtlichkeit ausglich, vergaßen sie alles um sich herum.
Ihre Versunkenheit war so groß, dass Alida gar nicht bemerkte, wie ihr das Netbook aus den Fingern glitt und zu Boden krachte. Verena war zu langsam, als sie es bemerkte, und konnte nur zusehen, wie ihr teurer Computer sich auf dem Boden in seine Einzelteile zerlegte.
"Oh ganz toll", murmelte sie. "Und ich sag noch: Lass das mit diesem Internet-Freak. Das endet böse. Und? Jetzt haben wir den Salat. Mein Netbook ist das erste Todesopfer. Und mich küssen will auch keiner zum Trost. "Hau bloß ab du besoffener Penner!".
